Reisen

Sammlung: Lieder

Reisen soll ich, Freunde! reisen,
Lüften soll ich mir die Brust?
Aus des Tagwerks engen Gleisen
Lockt ihr mich zu Wanderlust?
Und doch hab' ich tiefer eben
In die Heimath mich versenkt,
Fühle mich, ihr hingegeben,
Freier, reicher, als ihr denkt.

Nie erschöpf' ich diese Wege,
Nie ergründ' ich dieses Thal,
Und die altbetretnen Stege
Rühren neu mich jedesmal;
Oefters, wenn ich felbft mir sage,
Wie der Pfad doch einsam sei,
Streifen hier am lichten Tage
Theure Schatten mir vorbei.

Wann die Sonne fährt von hinnen,
Kennt mein Herz noch keine Ruh,
Eilt mit ihr von Bergeszinnen
Fabelhaften Inseln zu;
Tauchen dann hervor die Sterne,
Drängt es mächtig mich hinan,
Und in immer tiefre Ferne
Zieh' ich helle Götterbahn.

Alt' und neue Iugendträume,
Zukunft und Vergangenheit,
Uferlose Himmelsräume,
Sind mir stündlich hier bereit.
Darum, Freunde! will ich reisen,
Weiset Straße mir und Ziel!
In der Heimath stillen Kreisen
Schwärmt das Herz doch allzuviel.


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